Mit dem Trabant nach Afrika

Nach meiner letzten großen Reise mit dem Trabant um die Ostsee (2012) begann ich zusammen mit meinem Freund Gernot Schrader im letzten Jahr über neue Herausforderungen nachzudenken. Leider verschlechterte sich in einigen Regionen die politische Lage, so dass z.B. die Umrundung des Schwarzen Meeres wegen der Krim-Krise nicht mehr in Frage kam. Auch eine Tour nach Ägypten schied aus, denn dafür musste man durch Syrien. Warum also nicht um das westliche Mittelmeer? Tunis, Algier, Casablanca und Marrakesch. Klangvolle Städtenamen. Das wäre doch was für meinen Trabant, oder?

Erste Streckenplanungen starteten Gernot und ich bereits Ende 2015, wenn auch klar war, dass die Reise erst ein Jahr später starten sollte. Wir wollten Weihnachten starten, denn mit einem luftgekühlten Auto ohne Klimaanlage war die kühle Jahreszeit sicherlich die bessere Alternative. Die erste richtige Vorbereitungsaktion lief dann am 16. September 2016, als wir bei der algerischen Botschaft in Berlin vorstellig wurden, um uns über die Visaformalitäten und das Risiko einer Ablehnung unseres Antrags zu informieren. Der Mitarbeiter der Botschaft war unseren Planungen positiv gegenüber eingestellt. Auf Grund des Wohnsitzes von Gernot in Schleswig-Holstein sollte er seinen Antrag Ende November in Berlin stellen; ich musste zum Generalkonsulat nach Frankfurt.

Unsere Planungen wurden konkreter, jedoch gab es am 13.10. einen herben Rückschlag. Gernot musste aus gesundheitlichen Gründen absagen. Offen war die Frage: Umdisponieren oder die Reise streichen?
Ich entschied mich für umdisponieren, und da sich in meinem Freundeskreis noch weitere „Verrückte“ befinden, fand sich dann doch recht schnell eine Lösung. Die Tour wurde in drei Etappen aufgeteilt, und so steigt in der ersten Etappe Stephan Kuhlmann als Copilot ein, die zweite wird allein bewältigt und für die lange Rückfahrt von Marrakesch nach Hause kommt Björn Herrmann dazu.

Reisevorbereitung

Im Gegensatz zu der Ostseerundfahrt 2012 waren die Vorbereitungen für diese Fahrt um einiges umfangreicher. Das hing zum einen mit der Reisedauer und der Entfernung zusammen, denn statt der 4000 km waren es nun mehr als 10.000 km. Schon bei der Ostsee-Tour war der Trabi bis an seine Kapazitätsgrenze von 1000kg beladen. Nun aber musste deutlich mehr „mitgeschleppt“ werden, so dass ich auf einen Anhänger auswich. Bei ebay-Kleinanzeigen fand ich einen kleinen HP350 mit Deckel in gutem Zustand in der Nähe von Cottbus, den mein Freund Matthias Regina freundlicherweise für mich abholte und zu einem Treffen mit nach Schwanewede brachte. Diesen Anhänger habe ich dann ein wenig umgebaut, so dass schlussendlich drei Bereiche entstanden sind: Im Front ist Platz für das 2-Taktöl und drei Ersatzkanister, in der Mitte für Gepäck, die Lebensmittel und den Campingtisch und im Heck Platz für einen Gaskocher und einen Gasflaschenhalter. Und Ersatzteile sind auch mit an Bord.

Auch am Auto wurde ein wenig gebastelt. Ein großer Tank mit 35 Litern (normal sind 26 Liter), ein neues Radio mit Freisprecheinrichtung für das Handy und auch Einbauten für den „Tomtom“ und eine kleine Kamera kamen dazu. Unter dem Armaturenbrett fand eine fest installierte Kartenleselampe Platz. Zusätzlich wurden die hinteren Federn durch ein Zwischenstück stärker vorgespannt, so dass der Wagen nicht mehr so „durchsackte“. Ansonsten habe ich natürlich die komplette Technik einmal überarbeitet, neue Reifen montiert und alles ordentlich durchgeputzt….die Wochenenden gingen so dahin.

Neben den technischen Vorbereitungen waren auch einige andere Dinge zu planen. Das begann mit den Fähren von und nach Afrika. Vier Mal musste das Mittelmeer überquert werden, denn leider gibt es keine Möglichkeit, von Algerien nach Marokko direkt einzureisen, denn die Grenze ist seit 1990 geschlossen. So geht es zunächst von Palermo nach Tunis, dann von Mostaganem (Algerien) nach Valencia (Spanien), um von Almeria nach Melilla (spanische Enklave in Afrika) zu gelangen. Die Rückfahrt sollte dann über die Straße von Gibraltar gehen. Leider ist der Fährfahrplan im Winter deutlich ausgedünnt, so dass die verschiedenen Optionen zunächst ausgelotet werden mussten.

Auch die Thematik der Übernachtungen musste geklärt werden, und gerade für Algerien war es quasi Pflicht, in ein Hotel zu gehen. Touristisch ist Algerien bislang nicht wirklich erschlossen, und daher gibt es eigentlich keine Campingplätze. In Marokko sah das anders aus.

Für die Reise selbst brauchten wir auch einige deutsche Dokumente, die nicht unbedingt handelsüblich sind. Zunächst forderte ich die Zulassungsstelle in Osterholz mit der Zulassung meines Anhängers heraus, der noch keine „Westpapiere“ hatte. Mit Bezug auf den weiterhin gültigen Einigungsvertrag, erfolgte dann die Zulassung mit normaler Hauptuntersuchung (keine Vollabnahme nach §21), dem Brief und den Daten der originalen Betriebsanleitung. Für diesen Vorgang brauchte ich ein wenig Überzeugungsarbeit, aber schlussendlich wurde die Zulassung durchgeführt. Anschließend konfrontierte ich die nun warm gelaufene Mitarbeiterin der Zulassungsstelle mit meinem Anliegen, eine internationale Zulassung für meinen Trabant und den Anhänger zu erhalten. Diese wurde mir jedoch verweigert, da diese angeblich nur für den endgültigen Verbleib der Fahrzeuge im Ausland (außerhalb der EU) ausgestellt werden würde. Ich musste von dannen ziehen, konnte dann aber nach hervorragender Unterstützung des ADAC in München am Nachmittag der Zulassungsstelle den entsprechenden Absatz in der Zulassungsverordnung zeigen, so dass mir dann die gewünschten Dokumente ausgestellt werden konnten. Allerdings musste dann noch das Kassensystem überlistet werden, denn ich war anscheinend der erste, der nach diesem Dokument fragte. Die Kasse kannte den Vorgang noch nicht.