Seðisfjörður – Þórshöfn
Island….wir haben unser erstes Ziel erreicht. Die Wolken hängen tief, die Sicht beträgt kaum 300 Meter.
Das Ausschiffen klappt ohne Probleme und der Trabi springt sofort an. Ein wenig müssen wir vor der Einreise am Hafen warten, aber schlussendlich werden wir ohne Kontrolle durchgewunken.
Da die Straße vom Fährhafen nach Egilsstaðir sehr steil über den Berg geht, lassen wir erst mal den Pulk von Autos von der Fähre passieren und schauen uns die Kirche und die Regenbogenstraße von Seðisfjörður an. Doch dann wird es ernst. Teilweise im 1. Gang mit 20 km/h erklimmen wir den Pass auf 600 Meter (bis 13% Steigung), um dann wieder fast komplett runter auf Meeresniveau zu fahren. Doch der Trabi meistert das gut.
In Egilsstaðir suchen wir erst einmal einen Supermarkt auf. Der Parkplatz ist voll mit unseren Mitreisenden der Fähre. Nach dem Einkaufen geht es los in Richtung Norden. Zunächst folgen wir der Ringroad „N1“, auf der wir noch ein wenig Verkehr haben. Schon hier begeistert uns die Landschaft, die Weite und diese schroffe Natur. Schafe stehen unbeeindruckt neben der Straße, Gänse und Singschwäne sind zu sehen und große und kleine Wasserfälle überall. Nach dem Abbiegen Richtung Vapnafjörður kommt uns bis zu 10 Minuten kein Auto entgegen. Wir fahren durch die Berge und nach jeder Kurve schafft eine andere Wolkenlandschaft einen anderes Farbspiel zwischen braun, rot und sehr viel schattieren Grüntönen.
Bei Vapnafjörður kommen wir wieder ans Meer. Der Wind bläst stark, aber vertreibt auch die Wolken. So müht sich der Trabi nun gegen die Steigungen und den Wind und wir sind froh, dass wir zeitlich keinerlei Druck haben. Plötzlich stehen wir mitten im Nichts vor einen Baustellenampel. Die Straßenreparatur besteht in der Regel daraus, groben Splitt auf Teer zukleben. Ein Baustellenauto kommt, wendet und wir sehen das Schild „Follow me“. Die Ampel springt auf grün um und unser persönlicher Guide führt uns durch die Baustelle.
Auf dem Weg nach Þórshöfn ist dann die Asphaltstraße zu Ende, und wir fahren auf einer festen Schotterstecke weiter. Gegen 18:00 erreichen wir unsere Unterkunft das Grásteinn Gaesthus und sind wegen der vielen Eindrücke schon jetzt hundemüde.
Þórshöfn - Ásbyrgi
Als wir wach wurden, schien die Sonne. Natürlich gab es Wolken dazu, aber die Landschaft zeigte sich nun völlig anders. Und nun zeigte sich auch die Weite und Unberührtheit Islands.
Es ging weiter in Richtung Nordspitze Island, wo der Leuchtturm von Hraunhafnartangi steht. Vorher hieß es aber in Raufarhöfn zu tanken. Die Tankstellen in Island sind nicht so einfach zu erkennen, denn es steht meistens nur eine Säule mit einem Tankautomat irgendwo herum. Ein Dach oder gar ein Tankstellengebäude ist nicht zu finden. Dafür ist der Sprit wegen der inkludierten KFZ-Steuer mit 2,19 €/Liter rund 50ct teurer als in Deutschland.
Am Ortsausgang von Raufarhöfn befindet sich der Anfang der 90er Jahre gebaute „Arctic Henge“. Ein zentral aufgebautes Steintor mit vier Säulen wird in Ausrichtung der Himmelsrichtungen im Kreis von vier weiteren Steintoren umrandet, so dass man beim richtigen Standpunkt immer durch 4 Tore blicken kann.
Und dann endet die Asphaltstraße. Rechts haben wir nun den Nordatlantik, während links kleinere Binnenseen uns manchmal über einen Damm zwischen den Wassern führen. Nach einigen Kilometern fahren wir über den Polarkreis bei 66,565°Nord. Doch unser Ziel ist die Nordspitze. Wir parken unser Auto in Sichtweite des Leuchtturm, um die letzten Meter zu Fuß zu gehen. Doch wegen der Brut- und Setzzeit der Eiderenten, war der Weg gesperrt.
Weiter der Schotterstraße folgend hielten wir an einem schönen Plätzchen einfach an, machten den Anhänger auf und kochten uns eine Suppe. Mit dem Blick aufs Meer genossen wir die Ruhe und die Natur. In der Nähe von Kópasker fanden wir in der Bucht von Hvalvik nicht nur einen schwarzen Lavastrand und unglaubliche Felsformationen, sondern auch ein Felsentor. Windgeschützt lagen wir im warmen Sand und genossen das Geräusch der Wellen.
Kurz vor Kópasker bekamen wir wieder Asphalt unter die Räder. Worüber wir uns nach rund 55 km Schotterstraße sehr freuten. Unser Tagesziel war der Campingplatz von Ásbyrgi, der im Eingang zum gleichnamigen Canyon liegt. Nach dem Online-Check-In sind wir noch in den Canyon zu fahren. Am südlichen Ende liegt versteckt inmitten eines Birkenwäldchen ein smaragdgrüner See. Steigt man am Fels ein paar Meter höher, um über die Bäume zu gelangen, hat man einen wunderschönen Blick über den Canyon.
Ásbyrgi – Akureyri
Schon um 8:00 Uhr waren wir auf der Piste, die entgegen der Karte nicht mehr eine Schotterpiste war, sondern perfekt asphaltiert. So waren wir um 9:00 Uhr schon am Dettifoss, einem der wasserreichsten Wasserfälle Islands. Auf der Aussichtsplatt-form hielten wir es jedoch nicht lange aus, denn die Gischt des Wasserfalls wurde uns direkt ins Gesicht getrieben. Dennoch kamen wir dann etwas weiter oben sehr schön an den Wasserfall heran, um die die tobenden Fluten in den Abgrund spülen zu sehen. Direkt daneben besuchten wir den Selfoss, der nur ein wenig kleiner, aber nicht minder beeindruckend war.
Der Straße folgend ging es steil und teilweise im 1. Gang den Berg hinauf zum Viti Kratersee. Hier oben war es noch windiger, was uns aber nicht davon abhielt, den See vom oberen Kraterrand zu besichtigen. Der Ausblich auf die umliegenden, bis zu 900 Meter hohen Berge, in ihren rot, braun und grau-Tönen entschädigte für die Mühen.
Wieder im Tal angekommen besuchten wir die Schlammquellen von Hverir. So stellt man sich Island vor. Überall blubbert blaugrauer Schlamm, Dampf steigt empor und Schwefel liegt in der Luft und färbt an den Austrittsöffnungen die Erde gelb. Das heiße Wasser läuft in kleinen Rinnsalen in gelb, grau oder weiß und durchzieht den braunen Sand.
Auf dem Weg nach Mývatan haben wir die Höhle von Grótagjá besucht. Diese Höhle liegt in einer Lavaspalte und hat ein Fenster, durch das Licht in das Wasser der Höhle fällt.
Mývatan ist eigentlich mindestens einen Tagesausflug wert, doch wir hatten nur ein paar Stunden. Überall sind in der erkalteten Lava verzauberte Gnome zu sehen, bizarre Gesteinsformationen, die an das Bleigießen erinnern. Und in der Mitte der große See mit seinen zerklüfteten Ufer gebildet durch Pseudokrater oder Aschevulkane. Sie zeugen von starken Aktivitäten der Erde.
Angekommen in Akureyri haben wir zunächst getankt und sind dann zu unserer kleinen Pension gefahren. Den Abend haben wir in einem Restaurant mit dem passenden Namen „Backpacker“ verbracht. Und so waren wir schnell im Gespräch mit anderen Gästen aus Island und dem Rest der Welt und hatten viel Spaß und das ein oder andere Bier.
Akureyri – Staður
Das Wetter war uns leider nicht so gnädig wie die Tage zuvor. Jedoch erhielten wir von unserem Pensionsbesitzer den Hinweis, dass in Akureyri noch ein Trabant stehen würde. Natürlich sind wir dort kurz vorbeigefahren, auch wenn das Auto in keinem so schönen Zustand war. Und noch zwei weitere Trabis standen eher tot als lebendig auf dem Hof der Autowerkstatt, in der wir an diesem Sonntag natürlich keinen angetroffen haben.
Da wir heute eine größere Strecke (Tagesetappe 265 km) fahren mussten, sind wir erst mal losgefahren.
Dorthin haben wir wieder einmal eine längere Bergpassage gehabt, die wir größtenteils in den Wolken absolvieren mussten. Nur kurz gaben die Wolken den Blick auf das Tal und den Fluss frei.
Ziel waren die Torfhäuser von Glaumbær, die heute ein Heimatmuseum sind. Die aus dem gestochenen Torf gebauten Häuser haben eine Holzfront. Lediglich die Seiten-wände und der hintere Giebel sind aus Torf. So kommt ein wenig Licht in die Häuser, die innen durchaus gemütlich sind.
Abschließend gab es in dem Café des Museums noch Kaffee und Zimtschnecken.
Monika hatte wieder mal einen Wasserfall entdeckt. Und noch viel besser, auch direkt daneben einen natürlich Thermalpool (Hotpot). Es ging zum Reykjafoss. Der Privatparkplatz wollte dann 10 Euro Parkgebühr haben, was aber in Ordnung ist. Denn so konnte man nicht nur den auf Privatgelände liegenden Pool benutzen, sondern auch noch die Toiletten am Parkplatz.
Auf dem Weg haben wir noch an einer Torfkirche gehalten, jedoch war eine Besichtigung des Inneren nicht möglich. So sind wir bis zum Hostel Særsberg gefahren, wo wir eigentlich im Dachzelt schlafen wollten. Wegen des Windes (inzwischen Stärke 6) sowie der unangenehmen Tempera-turen haben wir uns kurzentschlos-sen im anliegenden Hostel einge-bucht.
Staður - Reykjavik
Wie ließen es ein wenig ruhiger angehen, denn das Wetter war immer noch recht schlecht. Der Wind hatte etwas nachgelassen, aber es war mit 5 Grad immer noch recht kalt. Die Lebensmittel hatten wir im Auto gelassen. So war unsere Nutella leider steinhart geworden.
Nach einem Tankstopp, verbunden mit einem Kaffee und etwas Gebäck, änderten wir unseren Tourenplan und bogen in Richtung des Hraunfossar ab. Auf dem Weg dorthin kamen wir an den dampfenden Quellen von Deildartunguhver vorbei, die uns zum Anhalten verleiteten. Neben einem schicken und teuren Thermalbad und den heißen Quellen gab eine Tomatenplantage. Selbst gemachte Tomatensuppe lud zum Verweilen ein. Mit 18 Euro für einen Teller Suppe nicht gerade billig, aber sie schmeckt wirklich toll.
BarnafossDie Entscheidung für den Umweg sollten wir nicht bereuten. Die beiden Wasserfälle Hraunfossar und Banafoss haben uns wirklich begeistert, denn sie sind sehr unterschiedlich.
Der Hraunafossar strömt auf einer Länge von rund 500 Meter ca. 20 Meter unter der Bergkante quasi aus dem Berg heraus, da es sich um einen „Fluss“ unter der obersten Lavaschicht handelt.
Ganz anders ist der Banafoss, der aus einem Fluss gespeist wird. Und dieser stürzt sich über Treppen und durch ein Felsentor in die Tiefe.
Wir erreichten die nördlichste Hauptstadt der Welt Reykjavik mit ihren rd. 140.00 Einwohner. Nach einem kurzen Halt in einem „Bonus“ Supermarkt ging es weiter zum Hotel. Am Supermarkt wurden wir von einem Teenager angesprochen, der sehr höflich und in bestem Deutsch uns darum bat, ein Foto machen zu dürfen. Sein Großvater würde sich darüber freuen und er selbst hat ein Modell vom Trabi.
Nach der Einquartierung im BRIM Hotel (absolut nicht empfehlenswert) haben wir einen kurzen Spaziergang durch einen Teil der Innenstadt und an die Wasserkante gemacht. Abgelenkt von der Entdeckung eines Ampelmännchens trat Monika an dem Fußgängerübergang in ein Loch, knickte um und fiel der Länge nach hin. Ein dicker Fuß gehört nicht gerade zu den idealen Voraussetzungen für einen Aktivurlaub…
Über die Facebook Gruppe „Islandliebe“, in der ich ein wenig etwas über unser Trabi-Abenteuer gepostet hatte, haben wir einen Kontakt zu Jón B. bekommen. Jón ist ebenfalls Trabifahrer und wohnt in Reykjavik, so dass wir uns verabredet hatten.
Leider konnte Jón nicht mit seinem Trabi kommen, da er nicht anspringen wollte. Es war aber ein wirklich schönes Treffen, das
wir bei einem Bier ausklingen ließen. Jón hat seinen 1987er Trabi selbst aus Berlin importiert. Laut Jón gibt es auf Island noch 10 fahrbereite Trabis, jedoch sind die Fahrer nicht in einer
Gruppe organisiert. Die Teileversorgung ist leider auch sehr schlecht, denn selbst Zündkerzen sind nicht mal eben zu beschaffen.