Reykjavik
Reykjavik stand auf den Programm. Die Schmerzen an Monikas Fuß ließen sich bei Bewegung einigermaßen aushalten. Förderlich war das für die Genesung allerdings nicht.
Unser Weg führte und als erstes hinauf zur Halgrimskirkja, dem Wahrzeichen von Reykjavik. Der moderne Bau mit seinem markanten Turm ist innen sehr beeindruckend. Das lichtdurchflutete Kirchenschiff mit seinen umklappbaren Bänken, um bei einem Orgelkonzert die Blickrichtung ändern zu können, ist sehr schlicht gehalten.
Wir gingen weiter und kamen dabei auf über die in Regenbogenfarben bemalte Skólavörðustigur. Diese bunten Straßen fanden wir an vielen Stellen in Island. Durch die kleinen Straßen von Miðbær gingen wir bis zum Hafen. Wir wollten den Tag für eine Walbeobachtungstour nutzen, denn die Bucht von Reykjavik ist sehr fischreich und daher finden sich auch immer wieder die Wale hier ein.
Los ging es am Hafen und bei Sonne und relativ wenig Wind fuhren wir in die Bucht. Nach ca. 45 Minuten waren wir so weit rausgefahren, dass wir unseren ersten Finnwal sahen. Weitere Sichtungen kamen und sogar ein Muttertier mit seinem Jungen haben wir beobachten können. Die Wale waren immer eine gewisse Zeit an der Oberfläche, stießen beim Atmen eine kleine Fontäne aus und gingen dann wieder in die Tiefe der Bucht. Beim Abtauchen zeigten sie dann majestätisch ihre Schwanzflosse.
Nach drei Stunden waren wir wieder zurück im Hafen und wir setzten unseren Bummel durch Reykjavik fort. Im Hafen lagen zwei Walfangschiffe vor Anker. Es waren die „Hvalur 8“ und „Hvalur 9“ und damit nahezu baugleiche Schiffe wie die beiden Schiffswracks, die wir am Vortag in der Bucht von Hvalfjörðura gesichtet hatten. Dort lagen die „Hvalur 6“ und „Hvalur 7“. Bei den Schiffen handelt es sich um eine Serie von 10 Schiffen der Walter Rau Lebensmittelwerke, die als Fangboote ("Rau I" bis "Rau X") die Wale dann zu einem Fabrikschiff ("Walter Rau") brachten. Die „Havalur 5“ kann man im Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven besichtigen.
Zum Tagesabschluss bin ich mit den Trabi noch einmal zur Halgrimskirkja und zur Hapa gefahren, um ein paar schöne Bilder zu machen. An der Hapa habe ich dann den bisher westlichsten Punkt mit meinem Trabi erreicht (N 64.15°, W 21.95°)
Reykjavik – Úthild Camping
Wir wollten früh los, um vor den Massen im Þingvellir Nationalpark zu sein. Doch auch wenn wir früh waren, waren wir doch zu spät. An der Spalte, die die eurasische und die amerikanische Kontinental-platte trennt, waren die ersten Busse schon angekommen. So fuhren wir auf den Parkplatz, der zu ca. 1/3 gefüllt war. Und dann standen wir auf der Aussichtsplattform und konnten in das sich weit ausstreckende Tal schauen.
Wir folgten den gut befestigten Pfaden in die Spalte. Wenn man dann ein wenig Geduld hat und die richtige Perspektive erwischt, schafft man es auch Fotos, ohne viele Menschen zu machen. Die Natur ist dennoch sehr beeindruckend, denn immerhin driften die beiden Platten rund 2 cm pro Jahr auseinander und nur hier ist der Atlantische Rücken so sichtbar. Darüber hinaus hat dieser Ort für Island eine besondere Bedeutung, denn hier tagte schon vor mehr als 1000 Jahren das demokratische „Parlament“ und die Gerichtsbarkeit. Schließlich wurde auch die Unabhängigkeit von Dänemark im Jahr 1944 hier besiegelt.
Was uns allerdings immer wieder erschreckt hat, ist wie Menschen sich in der Natur benehmen
und dabei zerstören, was sie eigentlich bewundern wollen. Da laufen Bürger aus der Neuen Welt mit Pappkaffeebechern durch die Gegend und instahörige Asiaten trampeln alles nieder, um das beste Selfi
in den verrücktesten Posen machen zu können.
(Hinweis: Das sind keine pauschalen Verurteilungen einzelner Nationen, sondern Beobachtungen von uns).
Und warum schmeißen Menschen Geldstücke in einen kleinen See? Wäre es nicht einfacher die Natur zu bewahren als sie für die Schönheit zu bezahlen?
Wir haben dennoch das Beste draus gemacht und diesen touristischen Ort verlassen. Ein paar Kilometer weiter war die Spalte ebenfalls noch gut zu sehen und das ohne Massen. So genossen wir hier die Ruhe in diesen bizarren Felsformationen.
Dann fuhren wir zur „Peoples Cave“, einer Höhle, die ein wenig abseits der Straße nach Laugarvatn liegt. Hier lebten Anfang des 20. Jahrhunderts Bauern in einer vorher schon als Stall angelegten künstlich geschaffenen Höhle. Die heutige Höhle ist für museale Zweck neu aufgebaut worden und die Familie der ehemaligen Bewohner unterstützt noch heute dieses Projekt. Wir erhielten eine nette Führung und den Hinweis auf eine große Höhle in einem Lavafeld in der Nähe.
Gespannt auf die Höhle wollten wir natürlich dort hin. Da der Weg dorthin eine Sackgasse war, ließen wir den Anhänger an den „Peoples Cave“. Eine gute Entscheidung, denn der Weg war steil und unbefestigt. Wir fanden dann die Höhle und konnten auch ein paar Meter hineinsteigen. Da unsere Taschenlampen aber nicht stark genug waren, hörte ich nach ca. 50 Meter auf mir einen Weg in die Tiefe über die Felsbrocken zu suchen. Beeindruckend war es dennoch.
So sind wir zurückgefahren, haben den Anhänger eingesammelt und sind dann zu unserem Campingplatz aufgebrochen. Auch wenn alles sehr einfach und nicht wirklich in gutem Zustand war, gab es ein Restaurant, einen Aufenthaltsraum für die Camper und einen Hotpot. Den haben wir erst mal ausgiebig genutzt.
Úthild Camping - Flúðir
Wir starteten wieder recht früh, denn heute stand der Geysir auf dem Programm. Da wir
inzwischen wussten, dass die Busse in Reykjavik ungefähr um 8:00 Uhr losfuhren, erwarteten wir diese am Geysir gegen 9:30 Uhr. Und der Plan ging auf.
Nur wenige Besucher waren mit uns an der Wasserfontäne des Strokkur, der alle 8 bis 10 Minuten eine 25 bis 35 Meter hohe Wassersäule in die Höhe schießt. Der Geysir, der diesen Wasserfontänen ihren
Namen gab, ist letztmalig nach einem Erdbeben im Jahr 2000 aktiv gewesen. Um den Strokkur und Geysir herum gibt es zusätzlich mehrere kleine „Blubberlöcher“, aus denen es dampft und mal regelmäßig
oder mal als Minifontäne heißes Wasser an die Oberfläche kommt.
Mit der Ankunft des ersten Busses verließen wir Strokkur und wanderten auf den nahen Berg. Von dort hatten wir nicht nur einen wunderschönen Ausblick über das Tal, sondern auch einen schönen Blick auf die Eruptionen des Geysirs.
Unser nächstes Ziel war der nicht weit entfernte Gullfoss. Die Reisebusse hatten uns natürlich ein- bzw. überholt. Dennoch schafften wir es, ohne ewig drängelnde Chinesen, sicher die Stufen und den anschließenden Weg zum Wasserfall zu überwinden. Außerdem kam in diesem Moment die Sonne heraus und so ließen sich schöne Aufnahmen der sich in eine Felsspalte ergießenden Fluten machen.
Dann ging es weiter zum Kerið Kratersee. Wir fuhren dabei durch Reykhold, wo es eine Tomatenfarm mit einer Tomatensuppe gab, die es sogar in den Reiseführer geschafft hat. Auf Grund des großen Andrangs auf dem Parkplatz fuhren wir aber lieber weiter. Der Kreið Kratersee war sehr beeindruckend und so wanderten wir einmal über den Kraterrand. Das rote Geröll am Rande des Kraters und grünlich schimmernde Wasser bildeten einen schönen Kontrast.
Dann ging es zum Campingplatz nach Fluðir. Leider hatten wir an diesem Abend ein wenig Probleme mit einer Kinderschar, die sich ausgerechnet unser Zelt ausgesucht, um damit Spielchen zu treiben. Irgendwann nervte das Wackeln am Auto und das Klopfen ans Zelt, und ich machte mich auf die Suche nach den Eltern. Endlich kehrte Ruhe ein.
Fluðir – South Island Guesthouse
Über Facebook hatte ich Kontakt zu Jette P. aus Halle bekommen, die einen längeren Aufenthalt in Island hatte. Sie arbeitete in der Nähe in einem ehemaligen Kloster. Und so sind wir dann nach Skálholt gefahren. Sie war begeistert unseren Trabi zusehen und es war eine unglaublich tolle (Zufalls-)Begegnung mit ihr. Wir bekamen eine Führung durch die Kirche, die aus den 1950er Jahre stammt und sehr schöne Bleiglasfenster hat. Auch das Altarbild aus gläsernen Mosaiksteinen ist absolut sehenswert. Skálhold war rund 1000 Jahre ein Bischofssitz und über die Zeit standen dort mehrere Kirchen. Es gab auch einen Ort zur Kirche mit der dazugehörigen Lateinschule. Mit der Einrichtung des Regierungssitzes in Reykjavik und dem Umzug des Bischofs dort hin, ist der Ort in Vergessenheit geraten, bis eben diese Kirche hier neu errichtet wurde.
Nach diesem kleinen Schlenker sind wir zurück auf unsere geplante Route gefahren. In Árnes war der nächste Tankstopp geplant, denn danach würde länger erst mal keine Tankstelle kommen. Also ran an die Säule, Haube auf, Öl abmessen und reinkippen und dann das Tanken mit der Kreditkarte freigeben.Leider klappte das aber nicht, denn der Automat akzeptierte die Karte nicht und auch die Karten der anderen Wartenden wurde ignoriert. Was nun?
Der angeschlossene Laden mit Imbiss konnte leider auch nicht helfen, denn auf die Tankstelle hatten sie keinen Zugriff. So
hat einer der wartenden Isländer, mit dem wir uns auch unterhalten hatten, die Ladenbesitzer gebeten, einen Servicetechniker zu rufen. Doch der musste erst aus dem rund rund 35km entfernten Selfoss
kommen.
Wir holten unsere Stühle raus und nutzen diese unfreiwillige Pause für einen Snack und den Reisebericht in der Sonne vor dem Laden. Nach einer Weile kam der freundliche Isländer wieder, um seinen
Wagen zu tanken. Doch die Säulen waren noch nicht in Betrieb. Wir kamen ins Gespräch und ich erklärte ihm, dass ich leider wegen des schon eingefüllten Öls nur ungern weiterfahren wollte. Er bot an
eben nach Hause zu fahren, um zu schauen, ob er noch einen 10 Liter Kanister mit Benzin hat, so dass wir das Öl ein wenig verdünnen konnten. Und so tauschten wir die Telefonnummern aus.
Keine 10 Minuten später kam der Techniker und setzte die Anlage mit wenigen Handgriffen wieder in Betrieb. Ich konnte somit dem freundlichen Isländer absagen.
Und warum erzähle ich diese Geschichte? Es sind genau diese Begebenheiten, die ich auf meinen Reisen zu schätze und die als
bleibende Eindrücke im Gedächtnis bleiben.
Danach wollten wir eigentlich den Gjarafoss und ein dort gefundenes Wikinger Langhaus besuchen, aber ich verpasste die Abfahrt. Nicht so schlimm dachte ich, denn auf der anderen Seite des Berges konnte man auch dort hinfahren. So der Plan, jedoch scheiterte dieser kläglich. Die Straße war nur für 4x4 Fahrzeuge zugelassen und selbst der Weg zu diesem Schild war alles andere als gut. Wir drehten um und setzten dennoch an einem Schafgitter, die es auf Island zuhauf gibt, heftig mit der Anhängerkupplung auf. Dadurch wurde die Leiter des Dachzelts auf der Kupplung verschoben, was sich aber leicht beheben ließ.
Der nachfolgende Weg sollte aber noch steiniger werden. Nach dem nächsten Abbiegen ging es 12 Kilometer schnurgerade über ein Lavafeld. Schotter, Staub und unzählige Bodenwellen rollten unter dem Trabi durch, doch nach einer halben Stunde hatten wir es geschafft. Belohnt wurden wir mit einem atemberaubenden Bild einer Lavawüste, die aus hellem Gestein und schwarzen Lavasand bestand, so dass je nach Körnung und Wind unterschiedliche Schattierungen entstanden.
Letztes Ziel für den heutigen Tag war der Seljalandsfoss und der Gljúfrabúi Wasserfall. Beides sind Touristen-attraktionen, da sie direkt an der Ringroad liegen. Der Seljalandsfoss bietet außerdem die Möglichkeit hinter dem Wasserfall in der Felshöhle durchzulaufen. Der Gljufrabúr fällt in eine Felsenloch, das man nur durch das Wasser gehend über eine schmale Felsspalte erreicht.
Nach zwei Nächten im Dachzelt hatten wir für diese Nacht uns wieder ein Hostel gebucht. Von außen war das Gebäude sehr unscheinbar, jedoch war innen alles sauber, ordentlich und durchaus modern eingerichtet. Und so verbrachten wir den Abend zusammen mit anderen Hostelgästen im Gemeinschaftsraum.