Vorbereitung

Mein Trabant 601 Kombi aus dem März 1990, den wir liebevoll den Zusatz „LD“ für Long Distance gegeben haben, ist inzwischen ein wenig in die Jahre gekommen. Seit 15 Jahren in meinem Besitz hat er nun rund 75.000km auf der Uhr und davon das meiste unter voller Beladung und mit Anhänger. So entschloss ich mich im Vorfeld die Technik zu überarbeiten und damit eine Basis für weitere, möglichst störungsfreie Kilometer, zu schaffen. Doch nicht nur der Trabant, sondern auch unser Gepäckanhänger sowie das Dachzelt bekamen die ein oder andere Verbesserung bzw. Anpassung an die geplante Reise.

Der Trabant 601 LD

Die Hinterachse des Trabis wurde komplett neu aufgebaut, indem ich zwei gebrauchte Achskörper kaufte und diese zunächst strahlen und pulverbeschichten ließ. Und natürlich erhielten sie auch die Ablaufbohrungen, die erst beim Trabant 1,1 in der Serie vorhanden waren und das Durchrosten der Achsträger deutlich verlangsamen. Die Achskörper wurden dann komplett neu aufgebaut (Federn, Dämpfer, Lager, Bremse etc.) und erhielten auch die zusätzlichen Distanzstücke, die die Schraubenfedern ein wenig stärker vorspannen.

Der nackte Unterboden und die Radkästen erhielten eine Rostkur und einen neuen Unterbodenschutzanstrich. Der Unterboden war für ein 35 Jahre altes Auto erstaunlich gut, so dass eine Behandlung der Roststellen durch Schleifen, Rostumwandler, Grundieren und Unterbodenschutz ausreichte. Bremsleitungen und Schläuche wurden natürlich gleich mit getauscht.

Dann ging es an die Vorderachse. Ich wollte den Motorraum neu lackieren und außerdem sollte der Trabi einen regenerierten Motor bekommen. Somit ging es erst an die Demontage inkl. aller Drahtzüge und der elektrischen Leitungen.
Den Motor habe ich durch einen Profi neu aufbauen zu lassen. Dabei habe ich mich NICHT für einen leistungsgesteigerten Motor entschieden. Für den dauerhaften Anhängerbetrieb brauche ich eigentlich nicht mehr Leistung, sondern mehr Drehmoment. So entschied ich mich lediglich für das (fast) größte Überschleifmaß der Kolben (73,25mm), was ein wenig mehr Hubraum und damit Drehmoment bedeutet. Auf dem Prüfstand brachte der Motor dann auch mehr als 60Nm.
Das Getriebe blieb ungeöffnet, da ich bislang keinerlei Probleme damit hatte. Es erhielt aber neue Dichtringe, Öl und wurde gründlich gereinigt.
An der Achse hatte ich keine größeren Arbeiten durchzuführen, denn vor zwei Jahren wurde eine Scheibenbremse installiert. Nach den schlechten Erfahrungen bei der „20 Nations Rallye“, bei der ich in den Bergen mit glühenden Bremsen kaum noch zum Stehen kam, konnte ich bei diesen sicherheitsrelevanten Teilen gut auf Originalität verzichten.
Schlussendlich wurden alle anderen Teile natürlich auch begutachtet bzw. gegen Neuteile ausgetauscht oder überarbeitet. Dazu gehören u.a. neue Dämpfer, Lüfter oder eine neue Auspuffanlage (noch aus DDR-Bestand).

Auch der Innenraum des Trabants wurde überarbeitet. Da Island nicht gerade für stabile Wetterlagen bekannt ist und es sehr windig werden kann, wollten wir nicht allein auf das Dachzelt als Übernachtungsmöglichkeit setzen. So flog die Rücksitzbank raus und ich habe eine Liegefläche eingebaut. Diese ist ungefähr auf Höhe der Armlehnen über den hinteren Radkästen, denn dadurch bekommt man etwas mehr Platz in der Breite. Außerdem entstehen so zwei schöne Stauräume unter der Liegefläche, denn im Fall des Falles musste diese ja komplett frei von Gepäck sein, um darauf zu schlafen. Um eine entsprechende Länge zu bekommen, werden die Sitze nach vorn geschoben und geklappt. Der Beifahrersitz wird zusätzlich per Gummizug am Armaturenbrett befestigt, so dass dann eine weitere Platte umgeklappt werden kann. So entsteht eine Liegefläche von bis zu 1,90m Länge. Eine Kaltschaummatratze wurde von einem befreundeten Raumausstatter nach meinen Schablonen auf Maß zugeschnitten und dann von einer lieben Nachbarin mit Cordstoff bezogen. Natürlich in einem zum Trabant passenden Braunton.

Nicht original aber für den Einsatz auf dieser Reise mehr als praktisch, ist da neue Autoradio, das über einen 7“ Monitor verfügt und somit über Apple Carplay als Navi dient. Das Gerät passt gut in den DIN1 Radioschacht und stört die Sicht nach vorn weniger als mein bisheriges Navi, dass mit einem Saugnapf an der Windschutz-scheibe befestigt war.

Das Dachzelt

Mein originales Dachzelt von 1987 war nun langsam auch in die Jahre gekommen. Es verfügt über ein Regenzelt, das eine gummierte Außenhaut hat. Diese Gummischicht löste sich leider, so dass das Zelt nicht mehr ganz dicht war. Für Island sicherlich nicht akzeptabel. So habe ich ein neues Regenüberzelt gekauft.

Darüber hinaus habe ich Körbe für die Schuhe installiert sowie eine Tasche unter dem Fenster, in die man nachts die Brille und das Handy legen kann. Und auch ein Fliegengitter ist neu gekommen, dass unten durch eine eingelegte Magnetleiste am Gestell abdichtet.

Der Anhänger

Nachdem mein Reiseanhänger (HP350.1 mit seitliche aufklappenden Blechdeckel) auf der „20 Nations Rallye“ in Bulgarien gestohlen wurde, habe ich 2020 einen neuen Anhänger aufgebaut. Die Aufteilung im Innenraum ist prinzipiell geblieben, jedoch gibt es nun auch ein Fach für die Faltstühle und die Gasflasche für den Kocher ist stehend angeordnet.

Für die Islandtour wurden aber noch weitere Verbesserungen vorgenommen. So habe ich Stützen am Heck und an der Deichsel montiert, die möglichst einfach, leicht und auch platzsparend sind. Ein gekauftes Stützrad wäre einfach zu klobig im begrenzten Raum zwischen Dachzeltleiter und Anhänger gewesen.
Für die Durchfahrt von Dänemark benötigten wir außerdem noch ein stabiles Stahlseil als feste Verbindung zwischen Fahrzeug und Anhänger. Dabei handelt es sich nicht um das „Abreißseil“, das bei gebremsten Anhängern mal eben über den Kupplungskopf geschmissen wird, sondern um ein mit einem Schekel am Trabi befestigtes Edelstahlseil. Die Anhängerkupplung hat dafür eine fest verschraubte Öse. (Hinweis: Die Strafe für das Fahren ohne dieses Seil liegt bei ca. 200 Euro)

Um den Anhänger zudem geschützter nutzen zu können, haben wir uns eine starke Gewebeplane so zugeschnitten, dass man mit einfachen Handgriffen die Seiten vor dem Wind abschirmen kann. Inzwischen sind sehr starke Magnete erhältlich, mit denen sich die Planen ohne Bohren gut befestigen lassen.

Wie sich später zeigte, war dies eine durchaus praktische Konstruktion. Denn sonst wäre das Kochen sicherlich schwer geworden, denn der Wind hätte die Flamme ausgeblasen.

Zusätzlich wurde die Blechwanne an der Front durch einfache weiße Magnetfolie (ca. 20 Euro) geschützt, die ich dann als Steinschlagschutz auf den Schotter-strecken entsprechend zugeschnitten.

Neben der Technik war haben wir uns auch schon früh an die Tourplanung gemacht. Bereits im Oktober 2024 wurde die Fähre gebucht. Da es nur eine Fährverbindung von Hirtshals (Dänemark) nach Seðisfjörður (Island) mit einem kurzen Zwischenstopp auf den Färöer-Inseln gibt, wird diese Monopolstellung bei der Buchung (Bezahlung) durchaus spürbar. Es handelt sich dabei übrigens um die längste Fährverbindung weltweit. 

Auf Island hatten wir uns vorgenommen, nach spätestens zwei Tagen wieder eine feste Bleibe anzusteuern. Dazwischen wurde aus Kostengründen gecampt. So suchten wir Anfang Februar 2025 unsere Übernachtungspunkte aus und wurden überrascht, denn schon zu diesem Zeitpunkt war mehr als die Hälfte der Übernachtungsmöglichkeiten ausgebucht. 

Mit der Maßgabe die klassischen Touristenziele anzusteuern aber dennoch nicht mehr als 200km pro Tag zu fahren, habe ich dann mittels Reiseführer, Landkarten und Google Maps eine Tour ausgearbeitet und in einer großen Excel Tabelle eingepflegt.

Ein Teil der Reiseplanung ist eine weitere Excel-Tabelle, die die Packliste beinhaltet. Jedes Ersatzteil, Werkzeug, Lebensmittel und auch die abgezählten Socken findet hier ihren Platz. Die fast 500 Zeilen lange Liste, die ich ursprünglich für meine Afrikatour erstellt hatte, hat sich mehr als bewährt. Nur so kann man sicherstellen, dass alles an Board ist, aber eben auch nicht zu viel. Außerdem konnten wir dem isländischen Zoll bei Bedarf auch mitteilen, dass wir bei den Lebensmitteln die 10 kg pro Person Grenze nicht überschritten hatten.

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